SPD Schwäbisch Gmünd

Armutsbericht ernst nehmen!

Veröffentlicht am 10.10.2009 in Jusos in Aktion

Eine bemerkenswert große Zahl interessierter Zuhörer fand sich dieser Tage in der „Pizzeria Villa Cimbra“ in Zimmern auf Einladung des SPD – Ortsvereins Herlikofen – Hussenhofen und der Gmünder Jungsozialisten ein. Referent des Abends war Joachim Denke vom Ortsverein, der den Anwesenden wichtige Erkenntnisse und Zielsetzungen des „Sozialberichts des Ostalbkreises“ vorstellte. Jakob Unrath, Mitglied der Jusos, fungierte als Moderator und Diskussionsleiter.

Wie der Referent ausführte, liege das durchschnittliche Alter der Ostalbbevölkerung etwas unter dem Bundesdurchschnitt. Der prozentuale Anteil der Personen mit Migrationshintergrund in der Region Ostwürttemberg (Ostalbkreis zusammen mit dem Landkreis Heidenheim) sei 22,3% und damit über den 18,4% bundesweit. Das pro Kopfeinkommen dagegen befinde sich teilweise sogar unter dem Bundesdurchschnitt.

Joachim Denke: “Unter all dieser Vielfalt und Komplexität, welche der Sozialbericht bietet, möchte ich das Thema Kinderarmut näher beleuchten und zwar mit Focus auf frühkindliche Förderung, Schul – und Berufsausbildung.“ Der Zugang zur Förderung und Bildung sei neben gerechtem Familieneinkommen ein wirksames Konzept gegen spätere Erwerbslosigkeit und daraus resultierender Altersarmut. Hierzu gehöre die Betreuung der Vorschulkinder ebenso wie später ein integriertes und durchdachtes Schulsystem als wichtige Stützpfeiler. Nach wie vor gäbe es bedauerlicherweise einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Einkommen und Bildungshintergrund der Eltern und den Bildungschancen der Kinder.

Denke wies auf die Diskrepanz bei Tageseinrichtungen für Kinder unter 3 Jahren hin: Während der Anteil in der Bundesrepublik bei 13% liege, erreiche er im Ostalbkreis gerade mal 5%. Allerdings betrage hier die Zunahmerate des vergangenen Jahres immerhin 38%. In Schwäbisch Gmünd hätten 27% dieser betreuten Kinder mindestens einen ausländischen Elternteil, bei 16% würde in der Regel nicht deutsch gesprochen. Im Ostalbkreis seien absolut 2542 betreute Kinder bis 14 Jahre solche mit Migrationshintergrund, bei 1543 Kindern wäre kein deutsches Wort zu hören.

Eine bunte Palette von Wortbeiträgen und zusätzlichen Informationen prägte die sich anschließende Diskussion: Im Ostalbkreis, so wusste ein Teilnehmer zu berichten, würden etwa 5000 Personen so wenig verdienen, dass sie zusätzlich Hartz IV beziehen müssten. An „Ein Euro – Jobbern“ würden vor allem die einstellenden Betriebe sich bereichern. Die Anwesenden plädierten einhellig für die Einführung eines Mindestlohns, dessen Höhe sich an den näheren Umständen wie beispielsweise der Zahl der Familienangehörigen orientieren müsse.

Türkischstämmige Kinder der zweiten Generation sprächen häufig weder richtig deutsch noch richtig türkisch. Die Entwicklung auf dem Land hinke der städtischen Situation hinterher, nicht zuletzt deshalb, weil Angebote nicht genügend angenommen würden. Kinder würden nicht selten deshalb diskriminiert, weil das notwendige Geld für bestimmte Kleidung aber auch für Schulmittel fehle. Dies führe oft zu Schamgefühlen bei Geringverdienern.

Diesen Teufelskreis, der einen nicht zu unterschätzenden Bevölkerungsanteil mangels Angebot, oder aber weil Angebote nicht wahrgenommen würden, von einer gerechten sozialen Entwicklung ausschließe, gelte es nachdrücklich zu durchbrechen!

Homepage Jusos Schwäbisch Gmünd

 

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